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Essays: Fanatismus
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Fanatismus

Ein Fanatiker, meist abgekürzt als "Fan" bezeichnet, ist ein Mensch, der seine Einstellung zu einem Objekt auch dann hartnäckig beibehält, wenn einfach erkennbare Tatsachen belegen, dass seine Einstellung unangemessen bzw. falsch ist.

Fanatismus basiert auf einer emotionalen, irrationalen Bindung an das Objekt und der unbeirrbaren Überzeugung, dass die dem Objekt beigemessenen Eigenschaften zutreffen. Menschen, die die Sichtweise des Fanatikers nicht teilen, werden meistens nicht akzeptiert und noch nicht einmal toleriert, sondern in ihrer Gesamtheit abgelehnt, im Extremfall sogar als zu bekämpfende Gegner oder gar als zu vernichtende Feinde betrachtet.

Fanatismus ist eine durch eine starke emotionale Komponente geprägte Form von Extremismus.

Fanatismus ist wegen des Herdentriebs der Menschen "ansteckend". Fanatismus bezüglich des selben Objektes ist ein sehr starkes soziales Bindemittel und ermöglicht im Umgang mit anderen Menschen das Ausblenden ansonsten unvereinbarer Haltungen auf anderen Gebieten. Fanatismus erzeugt ein sehr starkes "Wir"-Gefühl. Das ist der Grund dafür, dass Menschen, die sonst keinen ausreichenden Halt finden, sich besonders oft fanatisierten Gruppen anschließen. Wer ein ganzes Volk fanatisieren will, ist gut beraten, den Menschen zuvor jeglichen Halt zu nehmen, sie also von ihrer Geschichte, ihren Vorfahren, ihren Familienangehörigen, ihrer Kultur und ihrer Heimat zu entfremden. Die Geschichte den Menschheit wird wesentlich mit geprägt durch die Handlungen religiöser und politischer Fanatiker und ihrer fanatisierten Anhänger.

Andererseits stärkt die Überzeugung, bezüglich des Objektes der Fanatismus die Wahrheit zu kennen und deswegen richtig zu handeln, das Selbstwertgefühl. Ein Fan glaubt, bezüglich dieses Objektes sehr oder sogar unübertreffbar kompetent zu sein, was es auch dem kleinsten Licht ermöglicht, bei passender Gelegenheit mal richtig "auf den Putz zu hauen".

Da ein fanatisierter Mensch rationalen Argumenten nicht zugänglich ist, agiert er wie ein einfacher Automat. Seine geistige Flexibilität bezüglich des Objektes seines Fanatismus ist sehr eingeschränkt. Nur Informationen, die seine Sichtweise stützen, werden aufgenommen und nur Meinungen, die mit seiner eigenen weitgehend übereinstimmen, akzeptiert.

Fanatiker sind für die Machthaber sehr wertvoll, da sie nach dem Abschluss des Fanatisierungsprozesses autonom für das Erreichen ihrer Ziele (also derer der Machthaber) handeln - im Extremfall unter Aufgabe ihres Lebens. Obwohl die Fanatisierung in der Regel durch langfristige Indoktrination bewirkt wird, gibt es auch Fälle, in denen sich ein Mensch ohne intensive äußere Einwirkungen fanatisiert.

Vergleichsweise harmlose Fälle von Fanatismus sind sind unter den Anhängern von Fußballvereinen zu finden. Die Bindung an einen Verein beruht nicht dauerhaft auf der Sympathie für bestimmte Spieler, Trainer oder Funktionäre (die im Laufe der Zeit wechseln), sondern nur auf dem Objekt "mein Verein", das durch seinen Namen und sein Emblem repräsentiert wird. Im Umfeld von Fußballspielen ist es bekannterweise wiederholt zu Massenschlägereien zwischen Fans der beteiligten Vereine gekommen.

Wesentlich gefährlicher sind religiöse und politische Fanatiker. Seit der Unterjochung unserer Vorfahren durch Klerus und Adel werden die Menschen systematisch durch religiöse oder/und politische Fanatisierung gespalten und aufeinander gehetzt - stets zu ihrem eigenen Nachteil und zum Vorteil der Machthaber.

Tiefe religiöse Gläubigkeit kann, braucht aber nicht mit Fanatismus einherzugehen.

Eine üblicherweise nicht beachtete Form der Fanatisierung ist die Vermittlung von "Wissen" im staatlichen Ausbildungssystem. Abgesehen von mathematischen und selbst erlebten Zusammenhängen im technisch-handwerklich-künstlerisch-musischen Bereich sowie menschengemachten Konstrukten (Sprachen, Gesetze, ...) besteht der größte Teil des vermeintlichen Wissens aus im Endeffekt nicht beweisbaren Behauptungen oder gezielten Falschaussagen, also Glaubenssätzen. Das betrifft in den allgemeinbildenden Schulen insbesondere Lehrinhalte in Physik und Geschichte, in den Akademien insbesondere die Studiengänge Physik, Medizin, Jura, Geschichte, Archäologie, Geologie sowie sämtliche sogenannten "Geistes- und Sozialwissenschaften". Von einzelnen Ausnahmen abgesehen glaubt jeder, der sich im akademischen System aufgehalten hat, er sei ein "Intellektueller" und die ihm vermittelten Inhalte seien zweifellos wahr. Wer mit einem solchen Akademiker eine Grundsatzdiskussion anfängt und behauptet, dass ein wesentlicher Pfeiler des in ihm errichteten Gedankengebäudes falsch sein könnte, wird eine Gegenwehr erfahren, die für Fanatiker typisch ist. Die Ausprägung der Fanatisierung steigt tendenziell mit der Aufenthaltsdauer im Ausbildungssystem und ist daher bei Lehrern und Professoren besonders hoch. Wer dies selbst verifizieren möchte, kann sich mit der Geschichte der Relativitätstheorie beschäftigen (Tipps: "Hundert Autoren gegen Einstein", Leipzig, 1931 sowie "ALBERT EINSTEIN oder Der Irrtum eines Jahrhunderts" von C. v. Mettenheim, 2005) und danach einem Akademiker gegenüber (ganz vorsichtig!) behaupten, sie sei möglicherweise falsch.

Wer bei vehementer Verteidigung der eigene Sichtweise andere Sichtweisen zulässt und respektiert, ist kein Fanatiker.

Ausgeprägte Fanatisierbarkeit scheint ein tief sitzendes - möglicherweise angeborenes - Persönlichkeitsmerkmal zu sein. Dumme Menschen sind besonders einfach fanatisierbar. Doch auch höchst intelligente und gebildete Menschen sind durch langjährige, intensive Indoktrination dazu zu bringen, fanatisch an bestimmte Zusammenhänge zu glauben, die ein nicht indoktrinierter, selbst denkender und kritisch analysierender Mensch klar als Irrtümer oder Lügen erkennen kann. Menschen, die bezüglich eines Gebietes fanatisch sind, sind anscheinend auch bezüglich anderer Gebiete vergleichsweise einfach fanatisierbar. Fanatismus ist in der Regel nicht heilbar.