Private Internet-Seiten von Dr. Thomas Harriehausen
Essays: Das Schopenhauer-Nietzsche-Syndrom
https://www.thomas-harriehausen.de/bloedsinn/schopenhauer-nietzsche-syndrom.html

© 2017-2026 Dr. Thomas Harriehausen
Startseite - Impressum - Alternative Informationsquellen

Das Schopenhauer-Nietzsche-Syndrom

Begriff

Das Schopenhauer-Nietzsche-Syndrom (nachfolgend mit "SNS" abgekürzt) ist eine sehr seltene psychische Auffälligkeit bei Menschen. Ihr Name rührt von den deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer (1788-1860) und Friedrich Nietzsche (1844–1900) her, die offensichtlich vom SNS betroffen waren. Belastbare Aussagen über diese Abnormität sind kaum möglich, da die Betroffenen in der Regel klinisch nicht in Erscheinung treten.

Inzidenz

Das SNS tritt im westlichen Kulturkreis mit einer geschätzten Inzidenz in der Größenordnung von nur wenigen ppm auf. Physische Kommorbiditäten sind nicht bekannt. Vom SNS betroffen sind hauptsächlich alleinstehende Männer in finanziell weitgehend unabhängiger Situation. Der Grund hierfür dürfte der Umstand sein, dass das SNS nur bei Menschen auftritt, die den zeitlich und damit gedanklich einengenden Einflüssen der üblichen Arbeitswelt und des Familienlebens nicht ausgesetzt sind.

Symptomatik

Symptomatisch für die Menschen mit SNS sind ihr weitgehender Verzicht auf den Konsum der üblichen Informationsmedien, ihr kritisches, selbstständiges Denken und ihre im Laufe der Zeit zunehmende Skepsis gegenüber den üblichen Auffassungen über die Beschaffenheit aller Aspekte der Welt. SNS-Betroffene gehen davon aus, wahrscheinlich wichtige und richtige Erkenntnisse gewonnen zu haben, die den meisten Menschen verschlossen bleiben. Sie können daher überheblich wirken, obgleich sie spirituell in der Regel ausgesprochen demütig sind. Wegen ihrer Menschenscheu und Naturliebe fühlen sie sich häufig zu Tieren als Begleitern hingezogen.

Genese

Voraussetzung für die Ausprägung der Symptome des SNS sind die Erkenntnis, dass die Dinge nicht so sind, wie sie vermittelt und von der Masse der Menschen akzeptiert werden und eine sehr seltene psychische Prädisposition: Die Fähigkeit und der Wille, sich freiwillig mit sehr komplexen und belastenden Informationen auseinanderzusetzen. Als Auslöser für die Entwicklung des SNS kommt nach der Analyse der vita von Betroffenen das bewusste oder unbewusste traumatische Erleben der "nicht-heilen Welt" innerhalb der ersten beiden Lebensjahrzehnte infrage. Zu den Eigenschaften, die sicher vor dem SNS schützen, gehören Dummheit, Naivität und Hedonismus. Das SNS ist gesichert nicht infektiös.

Verlauf

Das SNS ist begleitet von zunehmendem sozialem Rückzug der Betroffenen und phasenweisen Anzeichen von Schwermut. Der mit dem SNS verbundene Erkenntnisprozess konfrontiert die Betroffenen mit dem Erleben - teilweise intensiver - psychischer Dissonanzen, deren Verarbeitung den AZ jeweils für Monate stark beinträchtigen kann. Von ihrer Umgebung werden SNS-Betroffene als Sonderlinge betrachtet und wegen ihrer Sichtweisen als Pessimisten oder/und Paranoiker gemieden. Auf Grund ihrer Überlegungen entwickeln alle Menschen mit SNS eine ausgeprägte Spiritualität und ein durch nichtmaterielle Aspekte geprägtes Weltbild.

Prognose

Die Prognose des SNS ist infaust, da sich die Betroffenen weigern, ihre erhebliche Normabweichung als krankhaft zu akzeptieren und therapieren zu lassen. Das Rückgängigmachen des Erkenntnisprozesses ist nur mit nichtkonventionellen, erheblich invasiven Mitteln (Verfahren aus den Projekten Artichoke, Monarch etc.), die umfassende Nebenwirkungen haben, möglich. Im Endstadium meiden viele Betroffene weitgehend menschliche Kontakte, da sie die Banalität der üblichen Konversationen unerträglich finden. Manche SNS-Patienten sterben vereinsamt in einem Zustand der Verzweiflung an der Dummheit der Masse der Menschen, andere erlangen in einem sehr kleinen Kreis durch Bücher, Vorträge oder andere Medien einen hohen Bekanntheitsgrad.

Nachfolgend einige Zitate von den Namensgebern des SNS, die seine Symptomatik beleuchten:

"Was die Herde am meisten hasst, ist derjenige, der anders denkt;
es ist nicht so sehr die Meinung selbst, sondern die Kühnheit,
selbst denken zu wollen, etwas, das sie nicht zu tun wissen."

"Die Mehrheit der Menschen ist des Denkens nicht fähig, sondern nur des Glaubens
und ist der Vernunft damit nicht zugänglich, sondern nur der Autorität."

"Es ist wirklich unglaublich, wie nichtssagend und bedeutungsleer, von außen gesehen,
und wie dumpf und besinnungslos, von innen empfunden,
das Leben der allermeisten Menschen dahinfließt."

"Der Kluge ist der, welchen die scheinbare Stabilität nicht täuscht
und der noch dazu die Richtung, welche der Wechsel zunächst nehmen wird, vorhersieht."

"Je höher gesteigert das Bewusstsein ist, desto deutlicher und zusammenhängender die Gedanken,
desto klarer die Anschauungen, desto inniger die Empfindungen.
Dadurch gewinnt alles mehr Tiefe."

"Es gibt keine Absurdität, die so handgreiflich wäre,
daß man sie nicht allen Menschen fest in den Kopf setzen könnte,
wenn man nur schon vor ihrem sechsten Jahre, anfienge, sie ihnen einzuprägen,
indem man unablässig und mit feierlichstem Ernst sie ihnen vorsagte."

"Auch wird man einsehen,
daß Dummköpfen und Narren gegenüber es nur einen Weg gibt,
seinen Verstand an den Tag zu legen,
und der ist, daß man mit ihnen nicht redet."

"Ein geistreicher Mensch hat, in gänzlicher Einsamkeit,
an seinen eigenen Gedanken und Phantasien vortreffliche Unterhaltung,
während von einem Stumpfen die fortwährende Abwechslung von Gesellschaften, Schauspielen, Ausfahrten und Lustbarkeiten,
die marternde Langeweile nicht abzuwenden vermag."

"Ganz er selbst sein darf jeder nur, solange er allein ist.
Wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit;
denn nur wenn man allein ist, ist man frei."

"Der wahre, tiefe Frieden des Herzens und die vollkommene Gemütsruhe sind allein in der Einsamkeit zu finden."

"Ein Hauptstudium der Jugend sollte sein, die Einsamkeit ertragen lernen,
weil sie eine Quelle des Glückes und der Gemütsruhe ist."

(Arthur Schopenhauer, 1788-1860)


"Es ist die Sache der Wenigsten, unabhängig zu sein – es ist ein Vorrecht der Starken.
Und wer es versucht, auch mit dem besten Rechte dazu, aber ohne es zu müssen,
beweist damit, daß er wahrscheinlich nicht nur stark, sondern bis zur Ausgelassenheit verwegen ist.
Er begibt sich in ein Labyrinth, er vertausendfältigt die Gefahren, welche das Leben an sich schon mit sich bringt;
von denen es nicht die kleinste ist, daß keiner mit Augen sieht,
wie und wo er sich verirrt, vereinsamt und stückweise von irgendeinem Höhlen-Minotaurus des Gewissens zerrissen wird.
Gesetzt, ein solcher geht zugrunde, so geschieht es so ferne vom Verständnis der Menschen,
daß sie es nicht fühlen und mitfühlen – und er kann nicht mehr zurück!
er kann auch zum Mitleiden der Menschen nicht mehr zurück!"

"Unsere höchsten Einsichten müssen – und sollen! – wie Torheiten, unter Umständen wie Verbrechen klingen,
wenn sie unerlaubterweise denen zu Ohren kommen, welche nicht dafür geartet und vorbestimmt sind."

"Wo geherrscht wird, da gibt es Massen:
wo Massen sind, da gibt es ein Bedürfnis nach Sklaverei."

"Es gibt zwei verschiedene Arten von Menschen auf der Welt:
diejenigen, die wissen wollen, und diejenigen, die glauben wollen."

"Angewöhnung geistiger Grundsätze ohne Gründe nennt man Glauben."

"Alle Menschen zerfallen, wie zu allen Zeiten so auch jetzt noch, in Sklaven und Freie;
denn wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich hat, ist ein Sklave,
er sei übrigens wer er wolle: Staatsmann, Kaufmann, Beamter, Gelehrter."

"Der Einwand, der Seitensprung, das fröhliche Misstrauen, die Spottlust sind Anzeichen der Gesundheit:
alles Unbedingte gehört in die Pathologie."

"Man verdirbt einen Jüngling am sichersten, wenn man ihn anleitet,
den Gleichdenkenden höher zu achten als den Andersdenkenden."

"Willst du es im Leben leicht haben, so bleibe immer bei der Herde."

"Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen."

"Die Menschen unterwerfen sich aus Gewohnheit allem, was Macht haben will."

"Wenn wir uns stark verwandeln,
dann werden unsere Freunde, die nicht verwandelten,
zu Gespenstern unserer eigenen Vergangenheit."

(Friedrich Nietzsche, 1844–1900)